Pflegegrad 3 Zeitaufwand Tabelle: Einstufung, Module & Beispiele 2026
- 27. Feb.
- 7 Min. Lesezeit
Wie viele Stunden Pflege am Tag braucht jemand mit Pflegegrad 3? Diese Frage stellen sich viele Angehörige – und sie ist berechtigt. Der durchschnittliche Zeitaufwand bei Pflegegrad 3 liegt bei 3 bis 5 Stunden täglich. Doch seit der Pflegereform 2017 entscheidet nicht mehr die Zeit über die Einstufung, sondern der Grad der Selbstständigkeit.
In diesem Beitrag erklären wir Ihnen genau, was der Zeitaufwand bei Pflegegrad 3 bedeutet, wie die Begutachtung abläuft und wann Sie mit einer Einstufung in Pflegegrad 3 rechnen können – mit konkreten Beispielen und Tabellen.
Inhaltsverzeichnis
Was bedeutet Pflegegrad 3?
Pflegegrad 3 ist der mittlere der fünf Pflegegrade in Deutschland. Er steht laut Sozialgesetzbuch (§ 15 SGB XI) für eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten".
Menschen mit Pflegegrad 3 können viele alltägliche Aufgaben nicht mehr allein bewältigen. Sie brauchen regelmäßig Hilfe beim Waschen, Anziehen, Kochen oder bei der Orientierung. Gleichzeitig sind sie nicht vollständig auf Hilfe angewiesen – sie können einzelne Dinge noch eigenständig tun.
Pflegegrad 3 entspricht der früheren Pflegestufe 2 (bzw. Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz).
Pflegegrad 3 Zeitaufwand Tabelle
Wichtig vorab: Seit 2017 entscheidet nicht mehr der Zeitaufwand über die Einstufung in einen Pflegegrad. Stattdessen bewertet der Medizinische Dienst (MD) die
Selbstständigkeit anhand eines Punktesystems. Trotzdem ist der Zeitaufwand eine hilfreiche Orientierung für Angehörige, um den täglichen Pflegebedarf einzuschätzen.
Durchschnittlicher Zeitaufwand bei Pflegegrad 3
Bereich | Geschätzter Zeitaufwand pro Tag |
Grundpflege (Waschen, Anziehen, Toilette, Essen) | ca. 2 – 3 Stunden |
Hauswirtschaftliche Versorgung (Kochen, Einkaufen, Putzen) | ca. 1 – 1,5 Stunden |
Beaufsichtigung und Betreuung | ca. 0,5 – 1 Stunde |
Gesamt | ca. 3 – 5 Stunden |
Zeitaufwand im Vergleich: Alle Pflegegrade
Pflegegrad | Durchschnittlicher Zeitaufwand pro Tag | Punkte (Begutachtung) |
ca. 0,5 – 1 Stunde | 12,5 – 27 | |
ca. 1,5 – 3 Stunden | 27 – 47,5 | |
ca. 3 – 5 Stunden | 47,5 – 70 | |
ca. 5 – 7 Stunden | 70 – 90 | |
ca. 7+ Stunden / Rund-um-die-Uhr | 90 – 100 |
Hinweis: Diese Zeitangaben sind Richtwerte. Jede Pflegesituation ist individuell. Manche Menschen mit Pflegegrad 3 brauchen 2 Stunden am Tag, andere 6 – je nach Krankheitsbild und Tagesform
So funktioniert die Begutachtung: Die 6 Module
Der Medizinische Dienst (MD, ehemals MDK) bewertet die Pflegebedürftigkeit anhand von 6 Lebensbereichen (Modulen). Jedes Modul hat eine bestimmte Gewichtung:

Modul 1: Mobilität (Gewichtung: 10 %)
Bewertet wird, ob die Person sich eigenständig bewegen kann:
Positionswechsel im Bett
Stabile Sitzposition halten
Aufstehen und Umsetzen
Fortbewegen innerhalb der Wohnung
Treppensteigen
Bei Pflegegrad 3 typisch: Die Person kann sich mit Hilfsmitteln (Rollator, Gehstock) noch bewegen, braucht aber bei manchen Positionswechseln Unterstützung.
Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Gewichtung: 15 % *)
Bewertet wird die geistige Leistungsfähigkeit:
Örtliche und zeitliche Orientierung
Erkennen von Personen
Verstehen von Sachverhalten
Erkennen von Risiken und Gefahren
Mitteilung von Bedürfnissen
Bei Pflegegrad 3 typisch: Eingeschränkte Orientierung, z. B. bei mittelschwerer Demenz. Die Person verwechselt Tageszeiten oder erkennt bekannte Orte nicht immer.
Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Gewichtung: 15 % *)
Bewertet werden problematische Verhaltensweisen:
Motorische Verhaltensauffälligkeiten (Wandern, Nesteln)
Nächtliche Unruhe
Selbstschädigendes Verhalten
Aggressives Verhalten
Ängste und Antriebslosigkeit
* Bei Modul 2 und 3 wird nur der höhere Wert gezählt.
Modul 4: Selbstversorgung (Gewichtung: 40 %)
Das wichtigste Modul – es macht fast die Hälfte der Gesamtbewertung aus:
Waschen des vorderen Oberkörpers und Intimbereich
Duschen und Baden
An- und Auskleiden (Ober- und Unterkörper)
Essen und Trinken
Benutzen der Toilette
Bewältigen der Folgen von Harninkontinenz
Bei Pflegegrad 3 typisch: Die Person braucht bei den meisten Tätigkeiten Hilfe, kann aber einzelne Handgriffe noch selbst ausführen (z. B. Oberkörper waschen, aber nicht die Beine).
Modul 5: Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen (Gewichtung: 20 %)
Bewertet wird der Umgang mit Behandlungen und Therapien:
Medikamenteneinnahme
Injektionen (z. B. Insulin)
Verbandswechsel
Arzt- und Therapiebesuche
Nutzung von Hilfsmitteln
Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens (Gewichtung: 15 %)
Bewertet wird die Fähigkeit, den Alltag zu gestalten:
Tagesablauf planen
Sich beschäftigen
Kontakte pflegen
Ruhen und Schlafen
Punktetabelle: Wann wird Pflegegrad 3 vergeben?
Die Punkte aus allen Modulen werden gewichtet zusammengerechnet. Pflegegrad 3 wird vergeben bei 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten.
Gesamtpunkte und Pflegegrade
Gesamtpunkte | Pflegegrad | Bezeichnung |
0 – 12,5 | Kein Pflegegrad | Keine Beeinträchtigung |
12,5 – 27 | Pflegegrad 1 | Geringe Beeinträchtigung |
27 – 47,5 | Pflegegrad 2 | Erhebliche Beeinträchtigung |
47,5 – 70 | Pflegegrad 3 | Schwere Beeinträchtigung |
70 – 90 | Pflegegrad 4 | Schwerste Beeinträchtigung |
90 – 100 | Pflegegrad 5 | Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen |
Pflegegrad 3 – Typische Beispiele und Krankheiten

Beispiel 1: Herr Müller (74), Parkinson
Herr Müller hat seit 3 Jahren Morbus Parkinson. Er kann sich mit dem Rollator noch in der Wohnung bewegen, braucht aber Hilfe beim Anziehen, Duschen und Kochen. Seine Hände zittern stark, sodass er Medikamente nicht selbst einnehmen kann. Er ist zeitlich und örtlich orientiert, hat aber nachts oft Unruhe.
Ergebnis der Begutachtung: 58 Punkte → Pflegegrad 3
Beispiel 2: Frau Schmidt (81), mittelschwere Demenz
Frau Schmidt lebt allein und hat zunehmend Orientierungsprobleme. Sie vergisst, ob sie gegessen hat, lässt den Herd an und erkennt Nachbarn manchmal nicht. Körperlich ist sie noch relativ fit, braucht aber Beaufsichtigung und Anleitung bei vielen Alltagstätigkeiten.
Ergebnis der Begutachtung: 52 Punkte → Pflegegrad 3
Beispiel 3: Herr Weber (68), nach Schlaganfall
Herr Weber hatte vor einem Jahr einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung (rechts). Er kann mit Hilfsmitteln kurze Strecken gehen, braucht aber Hilfe beim Waschen, Anziehen und bei der Toilette. Essen kann er selbstständig mit der linken Hand.
Ergebnis der Begutachtung: 62 Punkte → Pflegegrad 3
Häufige Krankheiten bei Pflegegrad 3
Mittelschwere Demenz (Alzheimer, vaskuläre Demenz)
Morbus Parkinson (fortgeschrittenes Stadium)
Zustand nach Schlaganfall mit Halbseitenlähmung
Multiple Sklerose (mittelschwer)
Schwere Arthrose mit starker Bewegungseinschränkung
Fortgeschrittene COPD oder Herzinsuffizienz
Schwere Depression mit starker Antriebslosigkeit
Erkrankungen des Rückenmarks mit Teillähmungen
Pflegegrad 3 – Alle Leistungen 2026 im Überblick
Leistung | Betrag 2026 | Häufigkeit |
Pflegegeld | 599 € | monatlich |
Pflegesachleistungen | 1.497 € | monatlich |
Tages- und Nachtpflege | 1.363 € | monatlich |
Entlastungsbetrag | 131 € | monatlich |
Gemeinsames Budget (Verhinderungs-/Kurzzeitpflege) | 3.539 € | jährlich |
Vollstationäre Pflege | 1.363 € | monatlich |
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | 42 € | monatlich |
Wohnraumanpassung | bis 4.180 € | pro Maßnahme |
Hausnotruf | 25,50 € | monatlich |
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Tipps für die Begutachtung
Damit der Pflegegrad richtig eingestuft wird, sollten Sie sich gut vorbereiten:
1. Pflegetagebuch führen Notieren Sie mindestens 2 Wochen vor dem Termin, wobei Sie oder Ihr Angehöriger Hilfe braucht. Schreiben Sie auf, wie lange jede Tätigkeit dauert und welche Schwierigkeiten auftreten.
2. Schlechte Tage schildern Beschreiben Sie den Zustand an den schlechten Tagen – nicht den besten Tag. Viele Betroffene versuchen beim Gutachterbesuch, sich besonders fit zu zeigen. Das führt zu einer zu niedrigen Einstufung.
3. Alle Befunde bereithalten Legen Sie Arztbriefe, Medikamentenpläne, Krankenhausberichte und Therapieberichte bereit. Je mehr Dokumentation, desto besser.
4. Vertraute Person dabeihaben Lassen Sie sich von einer Person begleiten, die die tägliche Pflegesituation kennt. Diese kann den Gutachter auf Dinge hinweisen, die der Betroffene selbst vielleicht verschweigt.
5. Ehrlich sein, nicht untertreiben Manche Betroffene schämen sich für ihre Einschränkungen und spielen diese herunter. Der Gutachter braucht aber ein realistisches Bild.
6. Nach der Begutachtung: Gutachten anfordern Sie haben das Recht, das Gutachten bei der Pflegekasse anzufordern. Prüfen Sie, ob alle Einschränkungen korrekt erfasst wurden.
Häufige Fragen zu Pflegegrad 3 (FAQ)
Wie viele Stunden Pflege am Tag bei Pflegegrad 3?
Der durchschnittliche Zeitaufwand bei Pflegegrad 3 liegt bei etwa 3 bis 5 Stunden pro Tag. Dieser teilt sich auf in ca. 2–3 Stunden Grundpflege, 1–1,5 Stunden Hauswirtschaft und 0,5–1 Stunde Beaufsichtigung. Die tatsächliche Zeit hängt von der individuellen Situation ab.
Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 3?
Für Pflegegrad 3 müssen bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) zwischen 47,5 und unter 70 Gesamtpunkte erreicht werden. Die Punkte werden aus 6 Modulen berechnet, wobei das Modul Selbstversorgung mit 40 % am stärksten gewichtet wird.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe 2 und Pflegegrad 3?
Pflegegrad 3 entspricht in etwa der früheren Pflegestufe 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) oder der Pflegestufe 1 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz). Seit 2017 gibt es keine Pflegestufen mehr – sie wurden durch die 5 Pflegegrade ersetzt.
Welche Krankheiten führen zu Pflegegrad 3?
Typische Krankheiten sind mittelschwere Demenz, Morbus Parkinson, Zustand nach Schlaganfall, Multiple Sklerose, schwere Arthrose, fortgeschrittene COPD oder Herzinsuffizienz. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern der Grad der Beeinträchtigung im Alltag.
Kann ich mit Pflegegrad 3 noch arbeiten?
Ja, grundsätzlich schließen sich Pflegegrad und Berufstätigkeit nicht aus. Ob es gesundheitlich möglich ist, hängt von der individuellen Situation ab. Der Pflegegrad allein sagt nichts über die Arbeitsfähigkeit aus.
Kann Pflegegrad 3 wieder aberkannt werden?
Ja, bei einer Wiederholungsbegutachtung kann der Pflegegrad herabgestuft oder aberkannt werden, wenn sich der Zustand verbessert hat. Sie können dagegen Widerspruch einlegen.
Pflegegrad 3 abgelehnt – was tun?
Legen Sie innerhalb von 4 Wochen Widerspruch bei Ihrer Pflegekasse ein. Fordern Sie das Gutachten an und prüfen Sie, ob alle Einschränkungen korrekt erfasst wurden. Die Erfolgsquote bei Widersprüchen ist hoch.
Fazit: Pflegegrad 3 richtig einschätzen
Der Zeitaufwand bei Pflegegrad 3 liegt bei durchschnittlich 3 bis 5 Stunden am Tag. Entscheidend für die Einstufung ist aber nicht die Zeit, sondern der Grad der Selbstständigkeit – gemessen in 6 Modulen mit insgesamt 47,5 bis 70 Punkten.
Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen Pflegegrad 3 vorliegt, lassen Sie sich beraten. Eine gute Vorbereitung auf die Begutachtung kann den Unterschied zwischen einer richtigen und einer zu niedrigen Einstufung machen.
Pflegedienst Feelege in Hamm – Wir helfen Ihnen weiter:
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Dieser Beitrag wurde im Februar 2026 aktualisiert. Alle Angaben gemäß SGB XI. Bei individuellen Fragen kontaktieren Sie Ihre Pflegekasse oder uns.
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